Wenn eine Wiener Wohnung mit Antiquitäten, Gemälden oder Schmuck geräumt werden soll, ist die zentrale Frage stets: Was ist das eigentlich wert? Eine seriöse Schätzung schützt vor zwei Fehlern — dem Wegwerfen wertvoller Stücke und dem überzogenen Festhalten an wertlosem Hausrat. Dieser Ratgeber erklärt, wer in Wien rechtssicher schätzt, was die Schätzung kostet und wie sich Versicherungs-, Verkehrs- und Liebhaberwert unterscheiden.

Drei Wertbegriffe, die jeder Erbe kennen sollte

In der Praxis kursieren drei Wertarten — und sie liefern für dasselbe Objekt drei sehr unterschiedliche Zahlen. Wer diese Begriffe verwechselt, zahlt entweder zu viel Versicherungsprämie oder verkauft unter Wert.

Verkehrswert (Marktwert)

Der Verkehrswert ist jener Preis, der bei einem freien Verkauf zwischen zwei unabhängigen Parteien tatsächlich erzielbar ist. Für Erben in Wien ist diese Zahl entscheidend, denn nur sie zählt bei der Aufteilung unter Miterben und bei der Verlassenschaftsabhandlung. Ein Biedermeier-Sekretär mit Versicherungswert von 12.000 Euro bringt am Wiener Auktionsmarkt erfahrungsgemäß 3.000 bis 5.000 Euro.

Versicherungswert (Wiederbeschaffungswert)

Der Versicherungswert beziffert, was ein gleichwertiges Objekt im Fachhandel kosten würde. Er liegt meist deutlich über dem Verkehrswert, weil im Handel auch Händlermarge, Mehrwertsteuer und Restaurierung enthalten sind. Diese Zahl ist nur für Versicherungs-Anträge relevant.

Liebhaberwert

Der Liebhaberwert entsteht durch persönliche Sammlerbindung. Er hat keinen objektiven Maßstab und kann sowohl höher als auch niedriger als der Verkehrswert liegen. In der Verlassenschaft hat er keine Funktion, wird aber von Erben oft instinktiv angewandt — was familiäre Streitigkeiten verursacht.

Wer schätzt in Wien — und für welchen Zweck

Die Frage nach dem richtigen Schätzer hängt davon ab, ob das Gutachten gerichtsfest sein muss, ob ein Verkauf folgen soll oder ob nur eine Orientierung benötigt wird.

Gerichtlich beeidete Sachverständige

Die Justizverwaltung führt eine öffentliche Liste (sdgliste.justiz.gv.at) aller allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen. Diese Gutachter sind die einzige Wahl, wenn das Gutachten vor Gericht (etwa bei Erbstreit) Bestand haben muss. Honorare richten sich nach dem Gebührenanspruchsgesetz, in Wien typisch 90 bis 180 Euro pro Stunde.

Auktionshäuser

Für die meisten Wiener Erbfälle sind Auktionshaus-Experten die pragmatischste Wahl. Die zwei großen Adressen:

  • Dorotheum Palais, Dorotheergasse 17, 1010 Wien — Österreichs ältestes Auktionshaus, Schätzungen kostenlos bei späterem Konsignations-Verkauf
  • Im Kinsky, Palais Kinsky, Freyung 4, 1010 Wien — auf hochwertige Kunst und Klassische Moderne spezialisiert

Beide Häuser haben Fachexperten für jede Sparte (Schmuck, Uhren, Möbel, Gemälde alte Meister, Klassische Moderne, Asiatika). Erst-Sichtungen sind in der Regel kostenlos, schriftliche Gutachten beginnen bei etwa 150 Euro pro Objekt.

Antiquitäten- und Fachhändler

Für Möbel, Silber und Porzellan kommen WKO-zertifizierte Wiener Antiquitätenhändler (Spittelberg, Dorotheergasse, Kärntner Straße) in Frage. Vorsicht: Ein Händler, der gleichzeitig Käufer ist, hat einen Interessenkonflikt — eine zweite Meinung ist hier Pflicht.

Spezialisten nach Sparte

Für Schmuck und Edelmetalle sind die Münze Österreich (Bullion) sowie zertifizierte Gemmologen Anlaufstellen. Für Bücher und Autografen empfiehlt sich das Antiquariat Inlibris (Rathausstraße). Uhren werden in Wien überwiegend bei der Dorotheum Uhren-Abteilung oder spezialisierten Juwelieren der Inneren Stadt geschätzt.

Welcher Schätzer für welches Objekt?

Die folgende Übersicht hilft bei der Erst-Zuordnung. Die Kosten beziehen sich auf ein einzelnes schriftliches Wertgutachten in Wien.

Objekt-TypEmpfohlener SchätzerKosten Schätzgutachten
Gemälde (Wiener Schule, Biedermeier, Klassische Moderne)Im Kinsky, Dorotheum Gemälde-Abteilung150 bis 400 Euro pro Objekt
Schmuck und EdelsteineDorotheum Juwelen, zertifizierter Gemmologe80 bis 250 Euro pro Stück
Antike Möbel (vor 1950)Antiquitätenhändler Spittelberg, Dorotheum120 bis 300 Euro pro Objekt
Uhren (Armband- und Standuhren)Dorotheum Uhren, Fachjuwelier100 bis 250 Euro pro Uhr
Alte Bücher und AutografenAntiquariat Inlibris, Auktionshaus Bassenge (online)60 bis 180 Euro pro Konvolut
Silber und PorzellanDorotheum, spezialisierte Antiquare80 bis 200 Euro pro Konvolut
Münzen und MedaillenDorotheum Münzen-Abteilung, Numismatik-Händler60 bis 150 Euro pro Konvolut
Gerichtsfeste Komplett-SchätzungAllgemein beeideter Gerichtssachverständiger600 bis 1.500 Euro je Haushalt

Der praktische Ablauf in fünf Schritten

Wer eine Wohnung mit potentiellen Wertgegenständen erbt, sollte nicht sofort räumen, sondern in dieser Reihenfolge vorgehen.

Schritt 1: Fotos und Bestandsliste

Bevor irgendetwas bewegt wird, gehört jedes potentiell wertvolle Objekt fotografiert (Gesamtansicht, Signatur, Stempel, Schäden) und in einer einfachen Liste mit Standort in der Wohnung erfasst. Diese Dokumentation schützt vor Streit unter Miterben und ist Grundlage jeder Schätzung.

Schritt 2: Vorab-Sichtung

Die meisten Wiener Auktionshäuser bieten kostenlose Vorab-Sichtungen anhand von Fotos oder bei Vor-Ort-Terminen an. So lässt sich rasch herausfiltern, ob überhaupt schätzenswertes Material vorliegt. Eine Vor-Ort-Sichtung ist besonders bei größeren Haushalten sinnvoll und in der Regel kostenfrei, wenn ein späterer Verkauf in Aussicht steht.

Schritt 3: Schriftliches Wertgutachten

Bei tatsächlich werthaltigen Stücken folgt das schriftliche Gutachten. Es enthält Beschreibung, Provenienz (sofern bekannt), Erhaltungszustand und Schätzwert in einer Bandbreite. Für die Verlassenschaftsabhandlung beim Notar genügt in den meisten Fällen ein solches Gutachten ohne Gerichts-Beeidigung.

Schritt 4: Aufteilung oder Verkauf

Erst nach Schätzung können Miterben fair aufteilen oder einen Verkauf einleiten — Auktion, Kommissionsverkauf, Direktverkauf an Händler oder Privatverkauf. Mehr dazu im Ratgeber Wohnungsauflösung mit Wertanrechnung.

Schritt 5: Professionelle Räumung des Restes

Nach Aussortierung der Wertstücke folgt die Verlassenschaftsräumung durch einen Fachbetrieb. BKS-Entrümpelung berücksichtigt aussortierte Wertstücke in der Wertanrechnung — wir kaufen verbliebene marktfähige Objekte an und reduzieren damit den Räumungspreis.

Wertkategorien — was Wiener Haushalte typischerweise enthalten

Erfahrungsgemäß lassen sich Wiener Haushalte (besonders Altbauwohnungen in der Inneren Stadt, Josefstadt und Alsergrund) in drei Kategorien einteilen.

Kategorie A — Wahrscheinlich werthaltig: Gemälde mit erkennbarer Signatur und Galerieetikett, signierte Möbel-Stücke, Schmuck mit Punzierung über 585er Gold, Uhren namhafter Marken (Patek Philippe, Rolex, Omega, IWC, Longines), Porzellan mit Manufaktur-Marke (Augarten, Meissen, KPM), Silber mit Wiener Stempel oder Reichsadler, Bücher vor 1900 in gutem Zustand.

Kategorie B — Konvolut-Schätzung sinnvoll: Geschirr-Service, Bestecke, Bücher 1900 bis 1980, Massenmöbel der Gründerzeit, moderner Schmuck unter 585er Gold, Glaswaren, Spielzeug, Münzen.

Kategorie C — Kein Schätzgutachten nötig: IKEA-Möbel und Pressspan-Möbel, Kleidung (außer Designer-Vintage), Bücher Taschenbuch-Ausgaben, Elektrogeräte, Massenporzellan ohne Marke. Hier reicht der erfahrene Blick des Räumungsteams.

Häufige Fallstricke bei Wiener Erbschaften

Falle 1: Vorschnelle Entrümpelung. Wer ohne Sichtung räumen lässt, verliert Werte. Bereits ein einziges übersehenes Original-Gemälde kann fünfstellige Beträge ausmachen.

Falle 2: Vertrauen auf einen einzigen Schätzer. Bei Objekten über 10.000 Euro empfiehlt sich grundsätzlich ein Zweitgutachten — besonders wenn der Schätzer gleichzeitig Käufer werden möchte.

Falle 3: Verwechslung von Liebhaber- und Marktwert. Das antike Erbstück der Großmutter mag emotional unbezahlbar sein — am Wiener Markt kostet ein Biedermeier-Sekretär aber selten mehr als 3.000 Euro. Realistische Erwartungen ersparen Enttäuschungen.

Falle 4: Schimmel und Wasserschäden. Wertgegenstände in Brand- oder Wasserschaden-Wohnungen verlieren bei feuchter Lagerung rapide an Wert. Eine zeitnahe Sichtung ist hier Pflicht.

Falle 5: Steuerliche Aspekte vergessen. Auch wenn Österreich keine Erbschaftssteuer kennt, gibt es Meldepflichten bei größeren Schenkungen und Grunderwerbsteuer bei Liegenschaften. Siehe dazu Verlassenschaft und Erben Checkliste.

Wie BKS-Entrümpelung Wertgegenstände behandelt

In über 547 Wiener Räumungs-Projekten seit 2015 haben wir gelernt, wo Werte typischerweise versteckt sind — in Schubladen alter Sekretäre, hinter Bücherreihen, in Schmuckschatullen unter Wäsche, in Schuhkartons im Schlafzimmerschrank. Unser Vorgehen:

  1. Vor-Ort-Besichtigung mit Wertgegenstand-Check, kostenlos und unverbindlich
  2. Aussonderung verdächtiger Objekte für eine vorgelagerte Schätzung im Beisein der Erben
  3. Wertanrechnung für verkäufliche Objekte — der Räumungspreis reduziert sich entsprechend
  4. Schriftliche Übergabe-Liste aller aussortierten Wertstücke, foto-dokumentiert
  5. Diskrete Räumung des Rests nach Festpreis-Vereinbarung

Diese Methode ist Standard bei jeder Verlassenschaftsräumung — vom Einzimmer-Apartment in Margareten bis zur Stadtvilla in Hietzing.

Zusammenfassung der wichtigsten Punkte

Wer einen Wiener Nachlass übernimmt, sollte vor jeder Räumung eine Erst-Sichtung durchführen lassen — kostenlos bei Dorotheum oder Im Kinsky, bei Bedarf ergänzt durch ein schriftliches Gutachten ab rund 150 Euro pro Objekt. Verkehrswert (Markt), Versicherungswert (Wiederbeschaffung) und Liebhaberwert (subjektiv) liefern dabei sehr unterschiedliche Zahlen. Für gerichtsfeste Verfahren sind ausschließlich allgemein beeidete Sachverständige zuständig. Ein professioneller Räumungspartner integriert die Wertanrechnung in den Festpreis und reduziert damit die Gesamtkosten erheblich.


Festpreis-Angebot in 60 Sekunden anfordern → — kostenlose Vor-Ort-Besichtigung, schriftliches Angebot innerhalb 24 Stunden. Oder direkt anrufen: +43 664 932 16 167 (Mo–Fr 7:00–20:00).