Wenn die Mutter oder der Vater stirbt und Sie als Erbe vor der Aufgabe stehen, die Wohnung aufzulösen, fühlen sich die meisten Menschen in den ersten Tagen lähmungsähnlich. Das ist normal. Diese Anleitung soll Ihnen helfen, in den richtigen Schritten zu denken — ohne Druck.
Schritt 1: Atmen. Nichts überstürzen.
Die ersten zwei Wochen nach dem Tod sind keine Zeit für Möbel-Räumung. In Österreich darf die Verlassenschaft erst nach der Einantwortungsurkunde des Bezirksgerichts aufgelöst werden — das dauert in der Regel 6–18 Monate. Bis dahin sind Sie zwar berechtigt, die Wohnung zu betreten und zu sortieren, dürfen aber nichts dauerhaft entsorgen oder verkaufen.
Eine Ausnahme: Wenn der Vermieter eine Räumungsfrist setzt (üblicherweise 1–3 Monate ab Tod), müssen Sie schneller handeln. In dem Fall hilft der Verlassenschaftskurator (vom Gericht bestellter Notar), eine vorzeitige Räumungserlaubnis zu erwirken.
Schritt 2: Pflicht-Dokumente sichern
Bevor Sie irgendetwas anderes tun: Suchen Sie systematisch nach Dokumenten. Diese gehören in eine eigene Box, NICHT in den Container:
- Personalausweis, Reisepass, Geburtsurkunde, Heiratsurkunde der verstorbenen Person
- Testament (oft im Schreibtisch, im Bankschließfach oder in der Bibel — leider kein Witz)
- Sparbücher, Bank-Auszüge der letzten 12 Monate
- Versicherungspolizzen (Hausrats-, Sterbe-, Lebens-, Krankenversicherung)
- Mietvertrag und Hausordnung
- Pensionsbescheid und letzter Steuerbescheid
- Original-Rechnungen für teurere Möbel oder Antiquitäten (für Wertanrechnung später)
Diese Box ist wichtiger als alles andere — der Notar wird die Hälfte davon verlangen.
Schritt 3: Persönliches sortieren — bevor andere kommen
Bevor Räumungspartner ins Spiel kommen, gönnen Sie sich Zeit für die persönlichen Sachen:
- Briefe, Tagebücher, Fotoalben
- Schmuck und Erbstücke
- Schallplatten, Bücher mit Widmungen
- Kinderzeichnungen, alte Schulhefte
Tipp: Machen Sie von jeder Schublade ein Foto, BEVOR Sie sie räumen. Das hilft später, wenn Sie sich nicht mehr erinnern, was darin war — und schützt vor späteren Vorwürfen unter Geschwistern.
Schritt 4: Wertvolles realistisch einschätzen
Der größte Irrtum: Erben überschätzen den Wert von alten Möbeln. Eichenschrank von 1985 ≠ Antiquität. Antiquitäten-Wert haben in der Regel:
- Möbel vor 1900 (Biedermeier, Gründerzeit)
- Designermöbel mit nachweisbarer Provenienz
- Gemälde, Skulpturen, signierte Drucke
- Echte Teppiche (Persisch, Buchara — kein Maschinenware)
- Silberbesteck mit Punze, Goldschmuck
Holen Sie 2–3 Schätzungen ein, bevor Sie etwas auf willhaben.at verramschen.
Schritt 5: Räumungspartner wählen
Drei Wege, eine Wohnung aufzulösen:
| Variante | Aufwand für Sie | Kosten | Geeignet wenn |
|---|---|---|---|
| Selbst räumen | Hoch (3–10 Tage) | Niedrig (~€ 200) | Sie haben Zeit, ein Auto, helfende Hände |
| Stundensatz-Anbieter | Mittel | Mittel-hoch (€ 50/h) | Kleine Wohnung, schnell |
| Komplett-Räumung Festpreis | Niedrig (1 Termin) | Mittel (€ 1.200–2.800 für 60 m²) | Berufstätige, Erben außer Wien, sensible Verlassenschaft |
Bei einer Komplett-Räumung gilt: Lassen Sie sich KEIN Stunden-Angebot geben. Stundensätze klingen günstig, eskalieren aber. Festpreis schriftlich nach Vor-Ort-Besichtigung ist die einzige verlässliche Variante.
Schritt 6: Wertanrechnung verstehen
Ein professioneller Räumungspartner wie BKS-Entrümpelung bietet Wertanrechnung: Verwertbare Möbel werden bewertet und der Erlös vom Endpreis abgezogen. Beispiel: Räumung kostet € 2.000, Wertanrechnung beträgt € 600 → Sie zahlen € 1.400.
Lassen Sie sich die Kalkulation schwarz auf weiß geben. Wenn der Anbieter dazu keine Liste liefert, ist es keine echte Wertanrechnung.
Schritt 7: Übergabe an Vermieter
Am Räumungstag selbst:
- Strom, Gas, Wasser ablesen (Foto vom Zähler!)
- Schlüssel-Übergabe-Protokoll mit dem Hausverwalter
- Endreinigung — bei einer Komplett-Räumung ist „besenrein” Standard
Wenn Sie nicht selbst vor Ort sein können oder wollen, übernimmt ein guter Räumungspartner die Übergabe direkt mit der Hausverwaltung.
Was Sie sich erlauben dürfen
- Sich Zeit lassen.
- Nicht alles auf einmal zu entscheiden.
- Geschwister einzubeziehen — auch wenn es streitig wird.
- Hilfe annehmen.
Eine Wohnungs-Auflösung ist nicht nur eine logistische, sondern eine emotionale Aufgabe. Die Caritas und die Hospizbewegung bieten kostenlose Trauerbegleitung an.
Wenn Sie Unterstützung bei der Räumung brauchen: Kostenloses Festpreis-Angebot anfordern → — diskret, schnell, mit Direktabrechnung an Notar oder Verlassenschaftskurator möglich.